Donnerstag, 9. September 2010

Eindrücke und Geschichten von Maksim Ljubaskin, RT 74

Kurzgeschichten von Maksim:

Erste: Der deutsche Pedantismus oder wie werden die Geschäfte in Osteuropa gemacht.

Bei der Ankunft im Kinderdorf in Mikhailowka, hat unser Team sofort mit der Arbeit angefangen. Wir brauchten den Generalplan des Dorfes und die Grundrisse von den Gebäuden. Diese Anfrage hat den Direktor und seinen Vertreter überrascht und verwirrt. Das Dorf hat eine knapp 100-jährige Geschichte, hatte jedoch bis vor Kurzem keine Bestandspläne.
Erst im letzten Jahr wollte die regionale Verwaltung für Eigenbedarf die Pläne erstellen. Dies hatte 1,5 Monate gedauert.

Als uns gesagt wurde, dass die Pläne nicht vorhanden sind, hat unser Team sehr professionell und strukturiert die Aufgaben verteilt und die Vermessung innerhalb von 2,5 Stunden durchgeführt.


Der Kinderdorfleiter war von der Vorgehensweise und der deutschen Genauigkeit begeistert und neidisch, da im Osten alles Pi mal Daumen erledigt wird.

Danach haben wir dieses östliche Verfahren / diese Denkweise nochmal bestätigt bekommen. Nach dem sehr herzlichen Empfang mit einem Begrüßungsschnaps, wies der Kinderdorfleiter seinen Vertreter an, doch bitte mal nach den Plänen zu schauen, die im Vorjahr angefertigt wurden, ob diese nicht doch von Nutzen sein könnten.

Und BINGO. Unglaublich, aber die Pläne waren sehr gut gemacht und haben sämtliche
notwendigen Information beinhaltet. :-) So wird's im Osten gemacht.

Im Nachgang haben wir die Zeit beim Fussballspielen mit den Kindern verbracht und haben eine Einladung bekommen, beim Turnier im Mai nächsten Jahres mit 15-16 anderen Mannschaften als Round Table Mannschaft teilzunehmen.

Zweite
: Die deutsche Sauberkeit

Nach dem Besuch des Kinderdorfes waren wir mit dem Auto in Süd-Osten Ukrainas südlich von Moldavien unterwegs und haben auf dem Weg, zwischen 2 Ortschaften und mitten in der Pampa, eine Frau an Bord genommen, die per Anhalter nach Belgorod fahren wollte. Die Frau war auch wie alle anderen Leute, die unseren Weg gekreuzt haben, sehr freundlich und offen. Sie hat mir während der kurzen Fahrt eine kurze Geschichte erzählt, die die Kultur- und Umgangsformunterschiede zwischen Deutschen und Ukrainern schildert.

Ein deutscher Tourist hat einen Ausflug nach Belgorod Festung gemacht. Die Frau hat damals in dieser Festung gearbeitet und festgestellt, dass dieser Mann während der ganzen Führung ein Kaugummipapier in der Hand getragen hatte. Die Frau hat den Mann gefragt, warum er das Papier mitträgt. Die Antwort hat sie überrascht: "Ich habe den ganzen Tag lang keine Mülltonne gesehen".
Und tatsächlich haben wir mehrmals gesehen, dass die Ukrainer ihr eigenes Land bedenkenlos mit Müll verschmutzen, insb. während der Autofahrt die Plastikflaschen unbedacht aus dem Fenster schmeißen.

Dritte: Das neue Mammut des Mikhailowka Dorfes

Eine weitere interessante Geschichte, die uns in dem Kinderdorf in Mikhailowka passiert ist. Als wir dort ankamen, haben wir doch ein sehr großes Interesse bei den Dorfeinwohnern erweckt. Viele Einwohner sind auf die Strasse gegangen um uns bei der Vermessung zu beobachten. Einer von diesen Leuten war der größte Mann des Dorfes, der den Spitzennamen „Mammut“ trug. Dies hat mir der Kinderdorfleiter Viktor beim Vorstellen des Mannes gesagt. Als Viktor aber Hans-Wolf von RT 204 Dresden mit seinen 206 Zentimetern gesehen hatte, konnte man nichts anderes erwarten - der Titel „Mammut“ wurde an Hans-Wolf verliehen.

Vierte: Freude kennt keine Sprachunterschiede

Die Tatsache, dass wir überall, ohne vorher etwas leisten zu müssen, mit offenen Händen empfangen wurden und immer willkommen waren, hat mich tief bewegt und ins Grübeln gebracht.
Ich habe mehrmals miterlebt, sei es im Kinderdorf, in der Schule für Hörbehinderte, beim Wassermelonenkaufen bei Nacht in der Nähe von Kiew oder einfach auf einer Tankstelle mit anderen Truckern beim Fotografieren von KrAZ-Trucks, dass die Leute uns immer gerne mit offenen Armen empfingen und sich immer voller Freude mit uns unterhielten.
Als Abschiedsworte haben wir immer solche Wünsche bekommen, die mich fasziniert haben und welche ich hier in Deutschland nie gehört habe: „Wir wünschen euch, dass ihr immer gesund bleibt und dass Gott euch aufbewahrt“. Es ist einfach eine andere Weltanschauung.

Mir fehlen die Worte um die Emotionen und Gedanken zu fassen und zu beschreiben. Ich habe für mich wertvolle Schlussfolgerungen gezogen: Wir verbringen unser Leben in dem Streben nach Glück, denkend, dass Geld glücklich macht. Wir sind von der Habgier getrieben. Wir erreichen das gesetzte Ziel und müssten eigentlich glücklich und zufrieden sein. Leider ist es nicht der Fall.
Wir sehen, dass es manchen Anderen besser geht, und werden in der Falle von Neid und ständiger Unzufriedenheit gefangen. So vergeht unser Leben. Freudlos und sinnlos. Die Leute die mir in der Ukraine begegnet waren haben nur einen Bruchteil davon, was wir haben, sind dennoch tausendmal glücklicher, da sie JETZT leben, das Leben so wie es ist akzeptieren und versuchen das Beste daraus zu machen, und nicht wie viele Europäer ausschließlich in ZUKUNFTSTRÄUMEN existieren.

Fünfte: Unsere Hilfe sorgt für Erstaunen

Als ich am Mittwoch zusammen mit Tommy und Yuri (DELKU) beim Zoll ankam, hatte ich wieder die Möglichkeit mit den Zollbeamten einen kleinen und unvwefänglichen Smalltalk zu führen.
Ich finde diese Eigenschaft des ukrainischen Volkes - sehr schnell ins Gespräch zu kommen - unglaublich. Die Leute sind so offen und neugierig, sie zeigen Interesse an dem was ich erzähle, hören aufmerksam zu und fragen nach.
Darüber hinaus habe ich mich über die Ehrlichkeit, Offenheit und Direktheit der Menschen gewundert. Diese erzählen alles ohne zu versuchen, die Sachen zu verschönern, ohne dass man irgendwelche Fassaden bildet. Hier können die Europäer was lernen.

Ok, jetzt wieder zu der Geschichte mit dem Zöllner.
Dieser Beamte war bei der Entladung völlig überrascht als er feststellte, dass die Betten und Matratzen, die wir gebracht hatten, neu sind. Auf meine Frage, warum es ihn so verwundert hat, kam die Antwort: „ In meiner 7-jährigen Dienstgeschichte habe ich noch nie Neuwaren als Hilfsgüter empfangen. Es handelte sich immer um Gebrauchtwaren“.

Als ich dies von ihm hörte, habe ich entschieden, die Geschichte Euch und anderen Lesern des Blogs zu erzählen. Für mich war es einerseits eine indirekte Danksagung von dem Vertreter des ukrainischen Staates und andererseits die Entdeckung, dass wir so viel mit ganz geringem Einsatz in der Welt bewältigen und verändern können!

Diese ganze Aktion ist phantastisch! Ich kann nur Danke sagen, dass ich mitmachen durfte und allen Tablern empfehlen, mit/weiter zu machen!!!

Kommentare:

  1. Lieber Maksim,
    vielen vielen Dank für deine Eindrücke - und ich freue mich sehr darauf, heute abend noch mehr von Dir zu hören.

    Ich hoffe, die Aktion geht weiter und wir als Tisch schaffen es, uns da noch mehr zu engagieren...

    Liebe Grüße & YiT
    Stefan

    AntwortenLöschen
  2. Maxims Worte lassen spüren, wie emotional bewegend diese Aktion für jeden ist, der das Glück hat, direkt vor Ort mitwirken zu können. Sie lassen aber auch die dankbar sein, die, wie auch immer, einen kleinen Teil zum Gelingen des ganzen beigetragen haben.
    Ein weiser Mann hat einmal gesagt: "Ob wir einen oder tausen Meilen zu gehen haben, der erste Schritt bleibt immer der erste, denn der zweite kann nicht getan werden, bevor nicht der erste getan ist."
    Nun, ich glaube hier ist der erste große Schritt getan, so dass noch viele Schritte folgen können.
    Es muss uns alle mit Stolz erfüllen Tabler zu sein und wir können nur dankbar dafür sein, helfen zu können.
    Der Freude, anderen eine Freude bereiten zu können, kommt keine andere Freude gleich.

    YiT
    Dieter

    AntwortenLöschen